| In
weiten Kreisen der Feuerwehr werden die Begriffe Flash-Over und
Backdraft oft gebraucht und die dahinter stehenden Phänomene als
neuartige Branderscheinungen definiert.
Bei Durchsicht der vorhandenen Literatur
zeigt sich aber folgendes Bild:
1. Die Branderscheinung „Flash-Over“ entspricht
dem Begriff Feuersprung - „Backdraft“ dem Begriff Rückzündung.
2. Beide Branderscheinungen sind lange bekannt
- aber nur teilweise erforscht.
3. Beide Branderscheinungen treten immer häufiger
auf. - Grund dafür ist in der modernen Bau- und Wohntechnik zu suchen.
Dieser Fachartikel stellt den Versuch einer Begriffsbestimmung sowie
einer Zusammenstellung der bisherigen Erkenntnisse dar.
FLASH - OVER
Voraussetzungen: (vereinfacht)
1. Eine Verbrennung in einem Raum mit Flammenerscheinung,
welche Wärme an die Umgebung abgibt. Das heißt es ist genügend Sauerstoff
für die Verbrennung vorhanden.
2. Erhitztes brennbares Material, welches vom
Flammbrand noch nicht betroffen ist gibt Pyrolysegase (gr. Pyrolyse
= Zersetzung durch Hitze) ab. Wesentlicher Bestandteil dieses Gasgemisches
ist Kohlenstoffmonoxyd (CO)
3. Die entstehende Wärme und das Rauchgas können
nicht abgeführt werden.
Verlauf: (vereinfacht)
1. Durch einen Entstehungsbrand wird die unmittelbare
Umgebung aufgeheizt.
2. Der Brand beginnt um sich zugreifen. Der Raum
beginnt sich mit Rauch zu füllen.
3. Durch die entstehende Hitze beginnen die im
Raum befindlichen Materialien Pyrolysegase abzugeben.
4. Wärme, Rauch und unverbrannte Gase sammeln
sich an der Decke.
5. Wird die untere Explosionsgrenze (UEG) erreicht
und besteht ein zündfähiges Gas-Luftgemisch kommt es zu verpuffungsartigem
Zünden der Rauchgaswolke.
6. Durch diese Zündung erfasst der Brand schlagartig
den gesamten vom Rauchgas erfüllten Raum.
In der Praxis besteht diese optimale
Mischung meist nicht in der gesamten Rauchzone. Es kommt daher zu
einzelnen Flammenzungen im Rauchgas. Besonders an den Randzonen
ist dieses Phänomen zu sehen. Man spricht dabei von sogenannten
„Dancing Angels“. Durch Luftbewegung wird das Bilden von zündfähigem
Gemisch begünstigt.

Erkennen:
Wesentliches Merkmal eines möglichen Flash-Overs ist starke Rauch-
und große Wärmeentwicklung im Gebäudeinneren. Die Rauchgastemperaturen
liegen zwischen 200°C und 600°C.
Auswirkungen:
Die größte Wirkung ist in der entstehenden Hitze zu sehen. Aus Versuchen
und Rekonstruktionen von Einsätzen wurden Temperaturen zwischen
1000°C und 1500°C zum Zündzeitpunkt des Flash-Overs ermittelt. Dies
sind Temperaturen denen auch unsere modernste Schutzbekleidung nicht
standhält.
Da ein Flash-Over eine Verpuffung darstellt treten natürlich auch
Druckanstiege auf. Diese liegen meist im Bereich von 1 bar. Es kommt
daher zu Zerstörungen von Fenstern und Türen, sofern diese nicht
bereits durch das Brandgeschehen zerstört wurden.
Eine weitere Folge ist die schlagartige Ausweitung des Brandherdes.
Maßnahmen:
1.
Schaffen von genügend großen Abzugsöffnungen
· Öffnen von
Rauchabzügen
· Öffnen der
Fenster durch den vorgehenden Trupp
· Einschlagen
der Fenster zum Brandraum von Außen
· Öffnen der
Dachhaut
· Belüften des
Brandobjekts (Überdruckbelüften)
· usw.
2. Abkühlen des Rauchgases
· Sprühstrahl
in den heißen Rauch - Wichtigste Selbstschutzmaßnahme eines vorgehenden
Trupps.
Einblasen kalter Luft (Überdruckbelüften)
Ein Einsatz von Überdruckbelüftern ist nur dann zielführend
wenn:
1. genügend große Abluftöffnungen
geschaffen sind
2. gleichzeitig ein Trupp
zur Brandbekämpfung vorgeht
3. in der Rauchabzugsrichtung
zündendes Rauchgas nicht zu einem Übergreifen des Brandes führen
kann. Es muss also unter Umständen ein massiver Schutz aufgebaut
werden bevor die Belüftung begonnen wird.
In bestimmten Situationen kann der Flash-Over durch die Feuerwehr
auch bewusst herbei geführt werden. Dies erfordert aber eine genaue
Abstimmung der Innen- und Außenangriffstrupps.

Schlussbemerkung:
Das Phänomen Flash-Over muss in der Ausbildung sehr früh dem Feuerwehrmitglied
nahe gebracht werden. Jeder Atemschutzgeräteträger muss die Gefahr
eines bevorstehenden Flash-Over erkennen und die erforderlichen
Selbstschutzmaßnahmen ergreifen können. Ab der Funktion Gruppenkommandant
sollten auch die Zusammenhänge über Entstehung und Bekämpfung bekannt
sein.
Das Auftreten eines Flash-Overs muss als immer wahrscheinlicher
betrachtet werden, da die im modernen Bauwesen verwendeten Materialien
vermehrt zur Pyrolyse neigen, und gleichzeitig die Wärmedämmung
der Objekte immer verbessert wird.
Internationale: Großbrandereignisse mit Flash-Over:
| Datum |
Ort |
Opfer |
|
1970
|
Tanzlokal
in Sain Laurant-du-Pont Frankreich |
146
Tote |
|
1981
|
Diskothek
in Dublin
Irland |
48
Tote, 130 Schwerverletzte |
|
1987
|
U-Bahnstation
Kings Cross in London England |
31
Tote |
|
1996
|
Disco
Pub in Manila
Philippinen |
150
Tote |
|
1996
|
Flughafen
Düsseldorf
BRD |
17
Tote, 62 Schwerverletzte |
BACKDRAFT
Voraussetzungen (vereinfacht):
1. Eine Verbrennung in einem Raum mit Flammenerscheinung,
welche Wärme an die Umgebung abgibt, geht
in eine Verschwelung über. Das heißt es ist nicht genügend Sauerstoff
für die Verbrennung vorhanden.
2. Brennbares Material gibt aufgrund der Hitze im Raum
Pyrolysegase ab. Wesentlicher Bestandteil dieses
Gasgemisches ist Kohlenstoffmonoxid (CO)
3. Die entstehende Wärme und das Rauchgas können nicht
abgeführt werden.
Verlauf (vereinfacht):
1. Durch einen Entstehungsbrand wird die unmittelbare
Umgebung aufgeheizt.
2. Der Brand beginnt um sich zugreifen. Der Raum beginnt
sich mit Rauch zu füllen.
3. Durch die entstehende Hitze beginnen die im Raum
befindlichen Materialien Pyrolysegase abzugeben.
4. Wärme, Rauch und unverbrannte Gase sammeln sich an
der Decke.
5. Die Sauerstoffzufuhr ist ungenügend es kommt zu einem
Schwelbrand.
6. Die obere Explosionsgrenze (OEG) wird rasch erreicht
und meist überschritten.
7. Erfolgt nun Sauerstoffzutritt kommt es zu einer Durchmischung
mit dem Rauchgas und in der Folge zur
Zündung.
Da im Raum Überdruck herrscht tritt die Stichflamme bei der Öffnung
aus bei der auch die Luft eintritt. Dies ist dadurch erkennbar,
dass die Flamme im oberen Bereich aus dem Raum austritt während
gleichzeitig im unteren Bereich ein Luftzug in den Raum bemerkbar
ist.
Erkennen:
Wesentliche Merkmale eines möglichen Backdraft:
1. geschlossener Raum mit nur geringem oder keinem Rauchaustritt
2. hohe Temperatur in der Umgebung des Brandraumes bzw.
der Türen- und Fensterflächen (100°C-300°C)
3. kaum wahrnehmbare Flammen im Brandraum
4. heiße Luft/Rauch tritt beim Öffnen von Türen aus
Auswirkungen:
Die wesentliche Wirkung liegt in der entstehenden Stichflamme die
eine Wärmeleistung von 4000 kW und mehr haben kann (Temperaturen
1800°C - 2500°C). Ein Druckanstieg ist dabei kaum merkbar.
Maßnahmen:
1. Vorgehen in der Deckung
2. Öffnen von Türen zum Brandraum nur mit Wasser am
Rohr
3. Sofortiges Abkühlen von heißem Brandrauch mit Sprühstrahl.
(Verbrühungsgefahr)
4. Einschlagen von Fenstern zum Brandraum von Außen
- Diese Maßnahme ist nur sinnvoll wenn eine Abstimmung mit dem zur
Brandbekämpfung vorgehenden Trupp gegeben ist.
5. Einsatz von Überdruckbelüftern - Die beim Flash-Over
beschriebenen Bedingungen müssen auch hier gegeben sein.
Schlussbemerkung:
Das Phänomen Backdraft muss in der Ausbildung sehr früh dem Feuerwehrmitglied
nahe gebracht werden. Jeder Atemschutzgeräteträger muss die Gefahr
eines bevorstehenden Backdraft erkennen und die erforderlichen Selbstschutzmaßnahmen
ergreifen können. Ab der Funktion Gruppenkommandant sollten auch
die Zusammenhänge über Entstehung und Bekämpfung bekannt sein.
Das Auftreten eines Backdraft muss als immer wahrscheinlicher betrachtet
werden, da die im modernen Bauwesen verwendeten Materialien vermehrt
zur Pyrolyse neigen, und gleichzeitig die Wärmedämmung der Objekte
immer verbessert wird.
Rekonstruktion eines Backdrafts
Am 28. März 1994 wurde die New Yorker Feuerwehr zu einem Zimmerbrand
in einem dreigeschossigem Gebäude gerufen.
Der Einsatzleiter setzte einen Trupp zum Öffnen der Fenster und
Dachluke im zweiten Stockwerk und einen Trupp zur direkten Brandbekämpfung
im ersten Stock ein. Als die Tür zum Brandraum geöffnet wurde schlug
eine Stichflamme 6,5 min lang in das Stiegenhaus. Diese Flamme tötete
die drei im oberen Stockwerk befindlichen Feuerwehrmänner. Aus diesem
Grund wurde der Einsatz in einem Modell nachgestellt. Bei diesem
Versuch konnten interessante Erkenntnisse gewonnen werden.




Wesentliche Unterschiede zwischen Flash-Over und Backdraft
| |
Flash-Over |
Backdraft |
| Voraussetzung |
Verbrennung
läuft bei ausreichender Sauerstoffzufuhr ab |
Verbrennung
läuft bei ungenügender Sauerstoffzufuhr ab SCHWELBRAND |
| Merkmal |
Massive
Rauchbildung auch außerhalb des Brandraumes
hohe
Temperaturen |
Massive
Rauchbildung im Brandraum
hohe
Temperaturen
|
| Auswirkung |
Verpuffung
bis Raumexplosion |
Stichflamme
an der Lufteintrittsstelle |
| frühster
Zeitpunkt des Auftretens |
schon kurz
nach dem Brandausbruch möglich - oft noch vor Eintreffen der
Feuerwehr |
beim
Öffnen bisher geschlossener Brandräume
meist
beim Vorgehen der Feuerwehr |
|